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Brettchenweben

Brettchenweben ist eine alte Technik zum Erstellen von Bändern und Gürteln. Ganz zu beginn dieser Technik wurde sie als Abschluss der Webkante von gewebten Stoffen verwendet.

Wie bei allen Textilien und Verarbeitungstechniken ist es schwer archäologisch genau zu sagen, welches das älteste Stück ist und wann genau der Mensch mit dem Brettchenweben angefangen hat. Es gibt Funde aus der Eisenzeit, von den Kelten, den Wikinger und aus dem Hoch- sowie dem Spätmittelalter. Dennoch ist es so, dass die Technik des Brettchenwebens nie ganz aufgegeben wurde. Bei den Recherchen für ein Buch über Brettchenweberei, fanden Experten aktive Brettchenweber im Kaukasus, in Burma, in Algerien, im Yemen, der Slowakei, in Afghanistan, in Norwegen und in Island. Es ist also eine alte, aber keine "tote" Technik.

Die Brettchen

Wie der Name schon sagt, werden für das Weben von Brettchenborten, Brettchen verwendet. Es gibt sie in unterschiedlichsten Ausführungen. 6-Loch- oder 4-Lochbrettchen sind die gängisten Formen. Selbst bei der 2-Loch-Technik werden 4-Lochbrettchen verwendet. Daher werde ich in meiner Anleitung 4-Lochbrettchen verwenden. Gefertigt werden die Brettchen entweder aus Holz oder Kunststoff. Wer es lieber authentischer haben möchte, kann auch Brettchen aus Knochen verwenden und wer nur schnell für einmal ausprobieren Brettchen benötigt, der kann sie auch aus Spielkarten oder festem Karton fertigen. Ich verwende am liebsten Holzbrettchen, die sind authentisch und mit etwas Geschick und dem nötigen Werkzeug auch schnell selber hergestellt.

Das Muster

Bevor mit einer Brettchenborte begonnen werden kann, muss erst geklärt werden, welches Muster die spätere Borte zieren soll, denn dies bestimmt maßgeblich die Technik. Bei den Brettchenwebtechniken kann unterschieden werden zwischen:

  • Einzugsmuster (moderne Art des Brettchenwebens, Muster entsteht durch Einzug der Fäden in die Löcher, alle Brettchen werden nach bestimmten Schema gedreht)
  • Doubleface (es werden die Brettchen einzeln gedreht und die Borte hat nur zwei Farben, ursprünglichste Form des Brettchenwebens)
  • Sulawesi (dreifarbige Borte, Brettchen werden einzeln gedreht, sehr ähnlich dem Doubleface, Technik kommt wie der Name schon sagt aus Indonesien)
  • Zwei-Loch-Technik (nur 2 von 4 Löchern sind mit einem Faden bestückt, Technik war den Kelten schon bekannt, aufwendige Technik die Übung erfordert)
  • Köpertechnik (ist eine der schwierigsten aber am häufisten genutzten Techniken)
  • Flottiertechnik (es entsteht ein Relief beim Weben, Farbfelder werden hervorgehoben, Technik für Fortgeschrittene)
  • Broschieren (im Mittelalter am weitesten verbreitete Technik, der zweite Schussfaden erzeugt das Muster, die Brettchen sind alle mit dem gleichen Faden bestückt)

Nachdem man sich für eine Technik und/oder ein Muster entschieden hat, geht es an die Auswahl des Garns. Zu bedenken ist, dass feine Garne eine schmalere, feinere Borte ergeben, als ein dickes Wollgarn. Dicke Wollgarne neigen auch gerne dazu sich beim Weben zu verfilzen. Am einfachsten ist es am Anfang mit sogenannten Häkelgarnen zu arbeiten. Die sind feiner und haben eine glatte Oberfläche, ausserdem schillern sie leicht. Wer es natürlich gerne historisch korrekt haben möchte, ist auf ein Wollgarn angewiesen. Diese Wolle sollte meiner Erfahrung zur Folge unbedingt verzwirnt sein (nicht das der Faden reist) und so glatt wie möglich sein.

Das Schären der Brettchen

Hat man sich für Muster, Technik, Farbe und Garn entschieden, geht es ans Schären der Brettchen. Dafür muss von jeder Garnfarbe die benötigte Anzahl an Fäden, in richtiger Länge, abgeschnitten werden. Die Länge ergibt sich aus der gewünschten Länge der Borte + ca. 25%. Die 25% zusätzliche Länge, sollen den Verlust der beim Weben entsteht ausgleichen und einen sauberen Abschluss ermöglichen. Zu jedem Muster gibt es einen Schärbrief, der gibt an in welches Loch bei welchem Brettchen welcher Faden in welche Richtung rein soll. Das Schären der Brettchen muss hoch konzentriert und in Ruhe erfolgen, denn wenn sich hier ein Fehler einschleicht und dieser unerkannt bleibt bis zum Aufzug der Borte, dann ist der Fehler in der Borte und kann nicht mehr behoben werden! Die Borte ist dadurch fehlerhaft und unschön und all die Zeit und Mühe, die in die Borte investiert wurde ist vergeudet. Wichtig ist daher sich vorher alles zurecht zulegen und mit genügend Zeit im Gepäck an die Sache zu gehen. Die folgenden Bilder sollen das Vorgehen beim Schären verdeutlichen.

Die Brettchen liegen richtig gestapelt übereinander, die benötigten Fäden gleich daneben und das Schiffchen ist auch schon mit dem Schussfaden umwickelt.

Jetzt werden die Löcher der Brettchen von A-D anhand des Schärbriefes bestückt, entweder in "S" oder "Z" Schärung. "S" oder "Z" beschreiben je nach Musterersteller die Stellung der Brettchen oder des Fadens im Loch. Es ist also wichtig die "Vorlieben" des Schärbrieferstellers zu kennen.

Nachdem alle Löcher eines Brettchens richtig geschärt sind, werden die Fadenenden die zum Bortenanfang gehören zu einem Knoten zusammengefasst, damit nichts verrutschen kann.

Sind alle Brettchen fertig geschoren und gestapelt, lege ich ein Band (meist einen Haargummi) um die Brettchen. Der Haargummi soll ein Verrutschen der Brettchen beim Aufziehen auf den Brettchenwebstuhl oder eine andere Webvorrichtung verhindern. Ausserdem ist es hilfreich alle verknoteten Enden am Bortenanfang zu einem großen Knoten zusammenzufassen.

Das Weben

Nachdem die Borte nun aufgezogen ist, kann mit dem Weben begonngen werden. Der Schussfaden sollte am Besten im großen Knoten schon mitgefasst werden, er kann aber auch einfach nach der ersten Drehung eingelegt werden, wenn man ein gutes Stück überstehen lässt. Das Weben erfolgt anhand des Webbriefes und je nach Technik. Am Ende entsteht ein einmaliges Kunstwerk.

Quelle:

Flinkhand.de, "Geschichte", Stand November 2011
Wikipedia.de, "Brettchenweben", Stand November 2011