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Spinnen

Seit der Mensch die Wollfaser für die Bekleidungsherstellung gefunden hat, hat er sich auch mit dessen Weiterverarbeitung beschäftigt. Das Verspinnen der Wolle ist heute wie früher die wichtigste Weiterverarbeitung der Wolle. Ist es doch Grundstein für Stoffe und andere gewebte Textilien. Zuerst wurden wohl Fellbatzen von den Sträuchern und Büschen gepflückt und anschließend mit den Fingern zu Schnüren gedreht. Falls der Lendenschurz der Venus von Lespugue, aus Frankreich, wirklich aus diesen verdrehten Wollsträngen bestand, wie Hochberg annimmt, wäre eine Protoform des Spinnens schon im Neolithikum anzutreffen, also vor 27 000 Jahren. In Europa gibt es Belege für handversponnene Wolle seit etwa 6000 v. Chr.

Wolle und andere Tier- oder Pflanzenfasern können auf zwei Arten von Hand versponnen werden, entweder mit der Handspindel oder mit dem Spinnrad.

Handspindel

Bei den Handspindeln wird zwischen Fall- und Standspindeln unterschieden. In Europa waren die Fallspindeln, mit der Unterart der Tiefwirtelspindel, am meisten verbreitet. Bei Tiefwirtelspindel sitzt der Wirtel (Schwungmasse der Spindel) unter der Mitte des Schaftes, im Gegenteil dazu die Hochwirtel- oder Kopfspindel, bei welcher der Wirtel über der Mitte des Schafte sitzt. Standspindeln unterscheiden sich von Fallspindeln dadurch, dass sie größer und schwerer sind und auf dem Boden stehend betrieben werden. Unter den Standspindeln gibt es auch ganz kleine, leichte, die besonder gut für kurze Fasern geeignet sind. Das gesponnene Garn ist zu fein und schwach um das Gewicht der Fallspindel zu halten.

Spinnrad

Das Spinnrad kam Ende des 12. Jahrhunderts aus dem Orient nach Europa. Es dauerte jedoch bis ins 13. Jahrhundert das sich sein Gebrauch durchsetzte. Zuvor gab es in einigen Städten Verbote. Belegt sind 1224 Venedig, 1256 Bologna, 1268 Paris, 1280 Speyer, 1288 Abbeville, 1292 Siena, 1305 Douai. In manchen Regionen war es sogar bis ins 15./16. Jahrhundert verboten.

Bei den Spinnrädern können zwei Arten unteschieden werden. Einmal das Flügelspinnrad, welches mit einem Fußtrittbrett angetrieben wird und zum Anderen das Spindelspinnrad, welches immer von Hand angetrieben wird.

Funktionsprinzip des Spinnen

Wie wird nun aus der Rohwolle Garn? Noch vor dem Spinnen muss die Rohwolle kardiert werden, dass heißt, die Wolle wird mit sogenannten Kardätschen gekämmt, um die Fasern alle in eine Richtung zu bringen, damit verspinnen überhaupt möglich ist. Aus dem so entstandenen Kardenband wird jetzt zu erst mit den Händen ein Anfangsfaden gerollt. Dazu legt man sich das Kardenband auf die Oberschenkel, zieht die Fasern etwas auseinander und rollt diese über die Oberschenkel zu einer Schnur. Wichtig ist dabei, dass immer nur in eine Richtung gerollt wird und zwar gleich in jene die anschließend beim Spinnen verwendet wird, ansonsten droht beim nächsten Arbeitsschritt viel Frust, weil der Faden sich aufdreht und das Verspinnen nicht funktioniert.

Je nach Art des Spinnens muss der Faden eine bestimmte Länge erreichen. Bei der Handspindel weniger lang als bei einem Spinnrad, wo er ja noch durchgefädelt werden muss. Wem das alles zu mühsam ist, der kann auch mit einem Hilfsfaden, einem einfachen fertigen Wollfaden, zu Spinnen beginnen. Egal wofür man sich entscheidet, muss der Faden nun richtig aufgezogen werden. Ich werde hier der Einfachheit halber nur das Spinnen mit der Fallhandspindel erklären.

Der Anfangsfaden wird am Schaft der Spindel oberhalb des Wirtels befestigt. Anschließend wird der Faden aussen über den Wirtel geführt und unterhalb des Wirtels einmal um den Schaft gelegt. Der Faden wird dann wieder, an der gleichen Stell wie vorher, über den Wirtel nach oben geführt. Nun noch am oberen Ende des Schaftes, den Faden mit zwei "Anschlagsmaschen" befestigen. Manche machen sich eine Kerbe in den Schaft, damit der Faden besser hält. Nun sollte das ganze so wie im letzten Bild aussehen.

Um jetzt die Wolle zu verspinnen zieht man vorsichtig mit der rechten Hand ein kleines Dreieck aus, hält dies und die restliche Wolle in der linken Hand, lässt die Spindel fallen und gibt ihr mit der rechten Hand den richtigen Dreh mit. Solange sich die Spindel in die gleiche Richtung dreht, kann man immer weiter kleine Dreiecke ausziehen und verspinnen. Fängt die Spindel an die Richtung zu ändern oder lässt ihr Schwung nach, wird sie einfach wieder neu angedreht und schon gehts weiter. Sie können als linkshänder natürlich auch seitenverkehrt arbeiten. Am besten einfach ausprobieren was einem mehr liegt und nicht aufgeben, denn auch hier gilt: "Übung macht den Meister!".

Weiterverarbeitung des gesponnenen Garns

Das von Handgesponnene Garn ist nun auf der Handspindel oder auf der Spindel des Spinnrades. Um es von der Spindel zu entfernen wird es gehaspelt. Durch das Aufwickeln des Garnes auf eine Haspel (Kreuzhaspel oder Drehhaspel) kann es anschließend zu sogenannten Strängen gebunden werden, welche dann zum Färben weiterverwendet werden.

Wenn man das Garn nicht im Strang, sondern als stabiles Garn oder Effektgarn haben möchte, dann wird das Garn verzwirnt. Garn kann einfach oder mehrfach verzwirnt werden. Zum Zwirnen benötigt man also mehrere Garne, damit diese beim Verarbeiten nicht verhädern oder davonlaufen, kann man sie entweder auf Knäuel wickeln und in eine Schüssel legen, oder man wickelt die Garne auf Spulen und benutzt einen Spulenhalter. Anschließend wird das gezwirnte Garn entweder gehaspelt oder auf ein Knäuel gewickelt.

Quellen:

Wikipedia.de, "Spinnen", Stand November 2011
Wikipedia.de, "Handspindel", Stand November 2011
Wikipedia.de, "Spinnrad", Stand November 2011
Handspinngilde, "Spindel", Stand November 2011
Wikipedia.de "Haspel", Stand November 2011
Spinnwiki "Zwirnen", Stand November 2011